Meine Meinung spielt keine Rolle

10.11.2013

Sich nicht gehört fühlen

Wer wünscht sich das nicht: die Familie als Hort der Freude, als warmes Nest, das einem alles Nötige bietet, damit man sich dadurch gestärkt den Herausforderungen der rauen Welt stellen kann. Doch die Realität sieht leider etwas anders aus: die Familie als Ort, an dem man Federn lassen muss und die als Übungsfeld für das Leben im Außen dient. Selbst wer sich eines harmonischen Familienlebens rühmt, muss jederzeit damit rechnen, dass in naher Zukunft eine Veränderung eintritt.

Letzteres höre ich in den vergangenen Monaten fast täglich. Ein Partner überlegt, sich zu trennen, und der Andere fällt aus allen Wolken: „Es war doch alles so harmonisch.“ Der Trennungswillige stellt dann meistens fest, dass die Harmonie auf seine Kosten stattfand und er mit seinen Belangen nie gehört wurde. Als Außenstehender fragt man sich dann, wie so eine unterschiedliche Bewertung einer Beziehung überhaupt geschehen kann. Doch meistens stellt sich heraus, dass das Paar- und Familienleben jahrelang ganz friedlich ablief, und sich erst nach und nach bei Einem von Beiden ein verändertes Bewusstsein einstellte.

Er bemerkte, dass der Partner und sogar die Kinder sich weniger um seine Wünsche kümmerten, sondern er vielmehr dafür zuständig war deren Bedürfnisse zu befriedigen. Solange das keinen stört, kann das ganz harmonisch sein. Sobald es aber Jemandem unangenehm auffällt, und das meistens dem Leidtragenden, führt es entweder zu Reibereien, oder in manchen Fällen wirft Derjenige dann ohne Vorwarnung alles hin.

In der Paartherapie hilft jetzt nur die Beiträge beider Partner zu der Situation herauszuarbeiten und die Beziehung auf neue Füße zu stellen. Einseitige Schuldzuweisungen bewirken überhaupt nichts. Was jahrelang in der Partnerschaft geschah, hat immer etwas mit jedem Einzelnen zu tun. Man kann mit einem erwachsenen Menschen nur das machen, was er mit sich machen lässt. Meistens ist die Beziehungskonstellation nur eine Fortsetzung, oder eine Vermeidung der Familiensituation im eigenen Elternhaus.

Die Veränderung der Beziehung und das bewusste Anhören und Vorbringen der Wünsche und Bedürfnisse jedes Einzelnen macht natürlich auch Angst. Sich darüber zu beschweren zu wenig wahrgenommen zu werden, ist wesentlich einfacher, als dann tatsächlich seine eigene Meinung zu vertreten.