Liebesleben Fehlanzeige

04.04.2014

Die Partnerschaft ohne Sex

In letzter Zeit häufen sich in meiner Praxis Fälle, in denen sich jeweils ein Partner über seine völlig sexlose Beziehung beklagt. Oft besteht dieser Zustand schon seit Jahren. Sobald er oder sie diesen Mangel beim Partner thematisiere, reagiere der Andere entweder wütend oder traurig und damit bliebe alles weiterhin beim Alten. Das geht dann so lange weiter, bis etwas passiert.

Festgefahrene Partnerschaften bewegen sich erst durch außergewöhnliche Vorkommnisse. Meistens handelt es sich dabei um eine sogenannte aushäusige Verliebtheit. Derjenige mit dem größten Leidensdruck beginnt eine Affäre, oder ist nahe daran und bringt dadurch Bewegung in die Partnerschaft. Im Schnelldurchlauf werden jetzt Dinge angesprochen und in Gang gesetzt, die schon längst überfällig waren. Die Affäre selbst ist hier meist nur das Mittel zum Zweck und verblasst, sobald die Partner sich wieder angenähert haben.

Wie kann es aber überhaupt so weit kommen, dass sich Paare jahrelang nicht mehr körperlich begehren, bzw. ein Partner den Anderen am ausgestreckten Arm verhungern lässt? Genau so empfindet es nämlich der Leidtragende. Er fühlt sich als Bittsteller, der immer wieder abgewiesen wird, aber bitte treu bleiben soll. Bei manchen Betroffenen führt das zu Depressionen. Sie fühlen sich in einer Partnerschaft gefangen, in der sie einen wichtigen Teil ihres Lebens ausblenden müssen. Es geht oft sogar so weit, dass auch Selbstbefriedigung oder das Ansehen von erotischen Filmen vom Partner nicht akzeptiert wird. Die Angst vor einer Trennung ist aus unterschiedlichen Gründen aber so groß, dass dieser Zustand eine ganze Weile ertragen wird.

Der sich verweigernde Partner handelt in den meisten Fällen aus innerer Not so abweisend. Er weiß oft selbst nicht, warum er sich so verhält, und hätte es gerne anders. In der Hoffnung auf eine positive Wendung wird das Thema immer weiter verschoben. Mit therapeutischer Hilfe kommen dann oftmals Gründe zum Vorschein, an die keiner von Beiden gedacht hätte. Hier eine kleine Auswahl:

Ein Partner fühlt sich dem Anderen über- oder unterlegen. Dieses Ungleichgewicht kann die Sexualität verhindern, vor Allem dann, wenn die Frau die Stärkere ist. Die sexuelle Unlust kann sich sowohl auf die Frau als auch auf den Mann auswirken.

Der Partner wird als Familienmitglied erlebt. Hierbei kann es sich um Geschwister oder Elternteile handeln. Bei einem psychisch gesunden Menschen schaltet sich dadurch die Inzestabwehr ein und jedes auf den Anderen bezogene Begehren erlischt damit.

Hormonelle Verhütungsmittel unterdrücken den Testosteronspiegel der Frau und ihr Sexualtrieb kann damit völlig zum Erliegen kommen.

Unausgesprochene sexuelle Misserfolgserlebnisse miteinander, an die sich der Partner vielleicht gar nicht mehr erinnern kann, führen häufig zu einem einseitigen sexuellen Rückzug.

Sexuelle Ängste, die vielleicht überhaupt nichts mit dem Partner zu tun haben, sondern in der eigenen Vorgeschichte begründet sind, zeigen sich oft erst nach einigen Beziehungsjahren. Hier kann nur eine Therapie Abhilfe schaffen.