Ich wäre so gerne anders

23.06.2013

Die Unzufriedenheit mit sich selbst

Die Selbstzufriedenheit fällt bei Jedem anders aus: Manche finden sich grundsätzlich ganz in Ordnung, Einige wenige sind regelrecht begeistert von sich, was schon fast in Narzissmus ausartet, und viel mehr Menschen als man annimmt leiden unter sich selbst. Diese Unzufriedenheit kann sich auf einen oder mehrere Bereiche auswirken.

Viele Frauen hätten gerne einen anderen Körper und wären bereit dafür einige Strapazen auf sich zu nehmen, und Männer wünschen sich häufig eine bessere berufliche Position. Sie opfern dafür Energie und Lebenszeit. Der „Ist-Zustand“ ist für die Betroffenen nur vorübergehend akzeptabel. Natürlich bringt einen persönlicher Ehrgeiz weiter, falls er in die passenden Bahnen gelenkt wird. Ein zu viel davon kann sich aber auch lähmend auswirken und es geschieht dann gar nichts. Jetzt stellt sich die Frage wie sich ein gesunder Ehrgeiz von einer Dauerunzufriedenheit unterscheidet.

Ein Aspekt ist die zielgerichtete Eigenaktivität um dem Wunsch-Ich näherzukommen. Das kann sich unterschiedlich darstellen, und der Weg dahin muss nicht vom gesamten Umfeld befürwortet werden. Das Entscheidende dabei ist, dass man sich seine Kräfte gut einteilt, trotzdem noch am Leben teilnimmt und die eigenen Grenzen erkennt und akzeptiert. Gerade dieser letzte Punkt ist für Manche unerträglich.

Hierzu ein Beispiel: ein Angestellter möchte unbedingt in eine Führungsposition aufsteigen. Seines Erachtens hat er auch alles dafür getan: er bringt ein abgeschlossenes Hochschulstudium mit, dazu einige Jahre Berufserfahrung, bearbeitete alle ihm übertragenen Aufgaben so gut wie nur möglich, machte passende Verbesserungsvorschläge, absolvierte sogar noch eine Zusatzqualifikation auf eigene Kosten, bekundete regelmäßig sein Interesse an einem beruflichen Aufstieg und trotzdem wurde es nie etwas.

Seinem gesamten Umfeld war klar, warum es nicht klappen konnte, aber niemand wollte ihm die unangenehme Wahrheit sagen: Dieser Mann war auf Grund seiner Persönlichkeit nicht in der Lage eine Führungsposition auszufüllen. Er konnte nicht zuhören, sich nicht selbst zurückzunehmen und wusste immer alles besser. Hätte er an seiner Persönlichkeit gearbeitet und gegebenenfalls seine eigenen Grenzen erkannt, wäre ihm viel Leid erspart geblieben. Sein Fachwissen war zweifellos sehr gut, aber seine Psyche behinderte ihn.

Die Ursache für die Unzufriedenheit mit sich selbst ist, wie meistens, in der Kindheit zu suchen. Ein um seiner selbst von den Eltern geliebtes Kind entwickelt ein stabiles Selbstwertgefühl, das es auch durch schwierige Lebensabschnitte trägt. Es muss sich nicht immer beweisen und kommt deshalb meistens entspannt zum Ziel.

Ein Elternhaus, das aus welchen Gründen auch immer, wenig auf die kindlichen Bedürfnisse eingeht, bewirkt bei dem Kind das Gefühl nicht richtig zu sein. Dieser Mensch glaubt dann immer durch noch mehr Leistung oder Schönheit schon noch die Liebe der Eltern und später des Umfelds zu erlangen. Er treibt sich dann ständig zu Höchstleistungen an und hat trotzdem das Gefühl nicht zu genügen. Um diesem Teufelskreis zu entkommen hilft nur eine wirklich tiefgehende Therapie.