Gabriele Leipold als Expertin in Baby und Familie, Heft 8/2016, S. 62, über "Getrennte Betten"

06.09.2016

Gabriele Leipold als Expertin in Baby und Familie, Heft September 2016, S. 62, zum Thema "Getrennte Betten"

Das gemeinsame Ehebett sorgt eher für Streit als ruhigen Schlaf? Dann könnten getrennte Betten die Lösung sein. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass das der Liebe sogar einen neuen Kick gibt.

 

Er schnarcht, sie wacht davon auf. Sie liest gern lange, er muss früh aus den Federn. Er schläft bei offenem Fenster, sie dreht die Heizung auf.

 

Manche ertragen diesen Zwiespalt tapfer. Dem Partner zuliebe oder weil sie sich neben ihm im Doppelbet trotzdem wohl und geborgen fühlen. Schwierig wird es, wenn einer wegen des gestörten Nachtschlafs dauergenervt ist. „Bevor die Beziehung leidet, sucht man besser eine Lösung“, rät Gabriele Leipold, Paartherapeutin in München. Im Zweifel eben zwei Betten. Denn hat nicht jeder das Recht, frisch und ausgeruht in den Tag zu starten?

 

Übrigens schlafen mehr Paare getrennt, als man denkt. Nach den wenigen Studien, die es gibt, sind es etwa 25 Prozent, Tendent steigend. Doch stehen nicht viele Paare offen dazu. Manche räumen sogar morgens - huschhusch – alles zurück ins Schlafzimmer, damit niemand etwas bemerkt. Diesbezüglichen Gesprächen mit Bekannten oder Verwandten geht man lieber aus dem Weg. Oder man will sich nicht vor dem eigenen Nachwuchs rechtfertigen, der fragt: „Warum schläft Papa nicht bei Mama? Hat er sie nicht mehr lieb?“ Die Kleinen sorgen sich schnell um die Beziehung der Eltern. Um so wichtiger ist es, das Thema anzusprechen, etwas zu erklären: „So wie ihr euer Kinderzimmer habt, wollen Mama und Papa auch ein eigenes Zimmer haben.“ Oft spiegelr die Reaktion der Kinder aber auch nur wider, was die Umwelt denkt – und da geht es meist um traditionelle Werte à la „Wer sich liebt, der teilt auch das Bett“, erklärt Gabreiele Leipold.

 

Getrennt schlafen ist für viele auch deshalb negativ besetzt, weil bei Paaren in der Krise immer erst einer das gemeinsame Schlafzimmer räumt, so die Therapeutin. Sozusagen als erster Schritt zur Trennung. Doch für stabile Beziehungen bedeutet das getrennte Bett kein Risiko, sondern schlicht ein Zeichen, dass sich die Zeiten ändern. Immer mehr Paare verfahren nach dem Motto „Erlaubt ist, was (beide) glücklich macht.“ Ganz typisch bei älteren Paaren: Die Mütter ziehen ins Kinderzimmer, sobald ihr Nachwuchs flügge ist, und genießen es, endlich einen Raum allein für sich zu haben. Mit ein Grund dürfte dabei sein, dass Frauen schlechter schlafen, wenn jemand neben ihnen liegt. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen, anhand von Hirnstrommessungen bei Paaren an der Ryerson-Universität in Toronto. Mit dem sogenannten Ammenschlaf, so die Erklärung der Forscher, sorge die Natur dafür, das die Mutter immer mit einem Ohr beim Nachwuchs sei, selbst im Schlaf seine Bewegungen mitbekomme.

Laut einer Studie der Universität Wien kömmen getrennte Betten zudem eine Frischzellenkur für die Partnerschaft sein. So fanden Forscher heraus, dass Soloschlafzimmer Lust und sexuelle Spannung zwischen den Partnern erhöhen. „Wichtig ist nur, dass sie miteinander im Gespräch bleiben und Gelegenheiten für Nähe und Intimität schaffen“, so Paartherapeutin Gabriele Leipold. Man kann ja trotzdem gemeinsam vor dem Einschlafen kuscheln, sich gegenseitig am Morgen besuchen oder sich hin und wieder zu einer gemeinsamen Nacht verabreden.

Andrea Schmidt-Forth

 

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