Einer für den Anderen

15.10.2012

Was man unbewusst für den Partner übernimmt

Die Tatsache, dass eine Partnerschaft oder sogar Ehe jederzeit vorbei sein könnte ist uns meistens nicht bewusst. Diese ständige Bedrohung wäre auch nur schwer auszuhalten. Wer möchte sich schließlich dauernd mit der durchschnittlichen deutschen Ehedauer von 14,5 Jahren und einer Scheidungsrate von ca. 50% beschäftigen. Die Meisten glauben oder hoffen davon nicht betroffen zu sein. Aber in schwachen Momenten befällt einen dann doch die Sorge irgendwann, warum auch immer, verlassen zu werden oder es selbst tun zu müssen.

Diejenigen, die häufig von Verlustängsten geplagt werden, verlieren vor lauter Sorgen die Unbefangenheit dem Partner gegenüber und leben mehr in einer möglichen traurigen Zukunft als in der Gegenwart. Sie neigen dazu den Anderen zu kontrollieren und versuchen ihn von etwaigen Gefahren fernzuhalten. Auf Dauer fühlt sich der Partner dadurch eingeschränkt und versucht sich zu entziehen. Einige Paare suchen gerade noch rechtzeitig eine Paartherapie auf.

Bei genauerer Betrachtung fällt bei diesen Paaren auf, dass die Verlustängste scheinbar nur bei einem Partner liegen und der Andere davon überhaupt nicht betroffen ist. Einer lebt also die Ängste für den Anderen mit aus. Es kann eine ganze Weile dauern, bis das Paar sich dessen bewusst ist, selbst wenn ich es ihnen gründlich erkläre. Diese unbewusste Vereinbarung erfüllte schließlich bisher ihren Zweck. Die Ursachen dafür liegen bei jedem Paar anders. Meistens dient diese einseitige Aufteilung aber als Schutz.

Ein Beispiel: Ein Paar führt berufsbedingt vorübergehend eine Wochenendehe. Sie freut sich immer, wenn ihr Mann am Freitag nach Hause kommt, leidet aber nicht unter seiner Abfahrt am Sonntag. Ihre Woche ist sehr erfüllt und sie pflegt viele Kontakte. Er hingegen fiebert schon die ganze Woche dem Freitag entgegen und wird einsilbiger je näher es auf den Sonntag zugeht. Jetzt könnte man meinen, der Mann hätte als Kind im Gegensatz zu seiner Frau zu wenig Urvertrauen aufbauen können und würde deshalb verstärkt unter Verlustängsten leiden. Bei diesem Paar ist aber das Gegenteil der Fall. Er weist die glücklichere Kindheit und die stabilere Persönlichkeit auf und sie litt als Kind an mangelnder Nestwärme. Seine Anhänglichkeit gibt ihr die Sicherheit, die sie früher vermisste, so dass sie sich auch anderen Projekten zuwenden kann. Sobald der Halt durch ihn wegfallen würde, geriete sie ins Straucheln.