Die Voraussetzungen eines (Paar)therapeuten

11.11.2012

reines Fachwissen reicht nicht aus

Die meisten Paare suchen eine Eheberatung oder Paartherapie erst dann auf, wenn die Beziehung schon unerträglich geworden ist. Vorher erscheint es ihnen entweder nicht nötig, weil der Leidensdruck noch nicht groß genug ist, oder sie sind der Meinung es alleine hinzubekommen. Manchen ist es auch peinlich sich einem Außenstehenden anzuvertrauen, oder ihnen ist der zeitliche und finanzielle Aufwand zu hoch. Jedenfalls ist die erste Beratungsstunde mindestens von Seiten eines Partners belastet und nicht selten wird nach einem Grund gesucht die ganze Veranstaltung möglichst schnell wieder abbrechen zu können. Die Anspannung bei Erstgesprächen ist dementsprechend spürbar.

Ein erfahrener Therapeut kann in den meisten Fällen damit umgehen und weiß, dass nach spätestens drei Beratungsstunden eine brauchbare Arbeitsatmosphäre entstanden ist. Er (oder sie) muss bis dahin fast genauso viel aushalten wie das Paar. Schwingt er in den Stunden nicht mit dem Paar mit, sondern befindet sich zu sehr außerhalb, erhält er keine Ahnung davon, was zwischen den Beiden passiert. Andererseits darf er auch nicht auf der Seite eines Partners stehen, sondern muss das Ganze als ein unbewusstes Zusammenspiel von Beiden verstehen.

Lässt er sich aber überhaupt nicht auf das Paar ein, vielleicht weil deren Situation eigene ungelöste Konflikte betrifft, dann hat die ganze Paartherapie überhaupt keinen Sinn. In diesem Fall wäre es ehrlicher das Paar an qualifizierte Therapeuten weiter zu verweisen, oder sich selbst Hilfe bei sogenannten Supervisoren zu holen. Kein Mensch ist in der Lage immer alle Probleme alleine zu lösen. Selbst ein umfangreiches Fachwissen ersetzt keine persönliche Auseinandersetzung mit den eigenen wunden Punkten. Deshalb beinhaltet eine seriöse Therapieausbildung neben dem theoretischen Teil auch eine mehrjährige Therapie des angehenden Therapeuten.