Die Lebenskrise

11.09.2013

Der Zusammenbruch des bisherigen Lebens

Viele Menschen erreichen irgendwann einmal den Punkt, an dem Einiges, was bisher selbstverständlich erschien, wegbricht. Es wird wie eine Lawine erlebt, die über sie hinweg rollt und vom bisherigen Leben nicht mehr viel übrig lässt. Wer glaubt die psychisch stabilen Menschen kommen damit besser zurecht, der irrt gewaltig. Diese (scheinbare) Stärke basiert auf verschiedenen Faktoren und beim Wegfall einiger Schutzpfeiler ist diese Person vielleicht noch schutzloser als so mancher Andere.

Was stabilisiert einen Menschen? An erster Stelle die Partnerschaft, Kinder und Familie, die Arbeit und/oder die Lebensaufgabe, sein Selbstbild, seine Lebensziele, der funktionierende Körper, das Materielle, der Freundeskreis und erfüllende Hobbys. Bricht jetzt einer dieser wesentlichen Faktoren plötzlich weg, dann zieht das auch noch andere, damit zusammenhängende Punkte mit sich.

In einer derartigen Situation wenden sich viele Paare an mich, schon alleine deshalb, weil ihre Partnerschaft dadurch auch betroffen ist. Meine Arbeit besteht dann darin diesen Menschen zumindest bei mir einen geschützten Rahmen zu bieten, damit sie in die Tiefe gehen können. Meistens gehen derartigen Katastrophen nämlich tiefe Wandlungen im Menschen voraus. Sei es eine massive Unzufriedenheit mit einem oder mehreren Lebensbereichen, dem Gefühl etwas verändern zu müssen, oder Resignation. Häufig trifft eine Krise den Einzelnen oder das Paar in einer schon seit längerer Zeit festgefahrenen Situation an. Je starrer ein Lebensgefüge ist, desto anfälliger wird es für Erschütterungen.

Zunächst gehen die Menschen davon aus, dass sie an der Entstehung der Krise nicht beteiligt sind und fühlen sich deshalb als Spielball widriger Umstände. Das trifft auf einige Situationen auch tatsächlich zu. Man kann allerdings nur etwas im Außen verändern, wenn die eigene Beteiligung daran bewusst wird. Genau das wird aber oft falsch verstanden und zwar als: „selbst schuld daran.“ Der Unterschied zwischen Schuld und Eigenbeteiligung besteht aber darin, dass einem die eigene Beteiligung im Gegensatz zur Schuld zunächst nicht bewusst ist.

Wie bewältigt man aber eine Krise? Zunächst sollte man alle zusätzlichen Stressfaktoren ausschalten um die Möglichkeit zu haben sich mit der Katastrophe und deren Folgen auseinanderzusetzen. Das bedeutet sich in dieser Zeit von schwierigen Menschen fernzuhalten, sich beruflich zurücknehmen, keine neuen Verpflichtungen einzugehen und sich ein Netzwerk von unterstützenden Personen zu schaffen.

Anschließend sollte man sich einen passenden (Paar)-Therapeuten suchen um mit dessen Hilfe herauszuarbeiten welche unbewussten Faktoren man dazu beigetragen hat. Häufig sind das mehrere. Wer zu lange gegen die innere Überzeugung lebt, wenig Veränderungen herbeiführt, Alarmsignale nicht beachtet, kritiklos den Lebensstil seiner Eltern oder des Partners übernimmt und sein Leben selten hinterfragt, fordert eine Krise geradezu heraus.

Den Spruch: „Die Krise als Chance“, kann man schon nicht mehr hören, leider trifft er aber weiterhin zu. Wer sich dieser teilweise unerträglichen Situation stellt und die nötigen Veränderungen durchführt, der hat gute Chancen auf ein neues Leben. Es muss nicht unbedingt besser sein als das alte, aber es ist in jedem Fall anders.