Die Beerdigung der Beziehungswünsche

27.06.2014

Resignation in der Partnerschaft

„Nach ein paar Jahren Ehe oder Zusammenleben hat man eben kaum noch Sex.“ „Befreundete Langzeitpaare sprechen auch nicht mehr viel miteinander.“ „Die Liebe verschwindet einfach im Laufe der Zeit.“ „Wenn Kinder da sind, geht man nicht mehr miteinander aus.“ „Wenn man älter wird, sieht man nicht mehr so gut aus.“... Diese oder ähnliche Sätze bekomme ich häufig von Paaren zu hören, die zwar mit ihrer Beziehung unzufrieden sind, sich aber damit arrangiert haben. Sie reden sich ihre Situation schön um nichts verändern zu müssen. Aus Bequemlichkeit, aus Angst oder aus Mangel an Alternativen.

Sobald sich ein Partner jedoch offen seiner Unzufriedenheit stellt, ohne sie zu bagatellisieren, passiert unweigerlich etwas in der Beziehung. Der andere Partner gesteht sich dann entweder auch seine eigenen unerfüllten Wünsche ein, oder er verteidigt die bisherige Situation. Falls Letzteres der Fall ist, könnte das einerseits daran liegen, dass er Angst vor Veränderungen hat, oder dass das bisherige gemeinsame Leben überwiegend zu seinen Gunsten ablief und er (oder sie) befürchtet seine Vorteile zu verlieren.

Jetzt fragt man sich, warum sich viele Partnerschaften im Laufe der Jahre so abnutzen. Dafür gibt es viele Antworten. Zuerst sind es meist fehlende Beziehungsvorbilder der Eltern und der Familie. Außerdem spielt das mangelnde Wissen darüber, wie man eine Partnerschaft führt und erhält, eine wichtige Rolle. Nach der Werbungsphase wird nicht mehr viel in die Beziehung investiert. Sie läuft so nebenbei und versandet immer mehr. Irgendwann fällt das auf und dann würde es eine enorme Arbeitsleistung erfordern eine Umkehr zu bewirken. Also arrangiert man sich lieber und hofft insgeheim auf irgendein Wunder, oder man flüchtet sich in die Arbeit oder Hobbys, oder stürzt sich auf die Kinder, oder den Haushalt.

Erst wenn der Leidensdruck unerträglich geworden ist, oder man sich der Endlichkeit des Lebens durch Schicksalsfälle im Umfeld bewusst wird, kommt eine Paartherapie in Frage. Doch selbst hier mache ich noch die Erfahrung, dass die Partner zwar eine Verbesserung ihrer Beziehungsqualität wünschen, aber eine dafür nötige Veränderung ihres Lebens ablehnen. Sie sind es nicht gewohnt in ihre Beziehung Zeit und Energie zu investieren. An dieser Stelle muss ich manchmal sehr bestimmt werden und deutliche Worte finden, was zunächst nicht gerne gehört wird. Im Nachhinein erfahre ich aber häufig Zustimmung.