Das Ende einer großen Liebe

18.08.2012

Wie konnte das nur geschehen?

Es schleicht sich langsam ein, dieses dumpfe Gefühl, dass irgendetwas anders ist. Jahrelang hatte man selbstverständlich zueinander gestanden und es gab bisher auch keinen Zweifel daran, dass es für immer so bleiben würde. Und jetzt das! Zuerst war man nur von immer mehr Eigenheiten genervt, die der Partner so an den Tag legte, dann stellte sich eine zunehmende Gereiztheit ihm gegenüber ein, und schließlich fühlte man kaum noch dieses Liebesgefühl für ihn. Anfangs dachte man sich noch nichts dabei, denn in jeder längeren Beziehung hat man schließlich nicht nur Schmetterlinge füreinander im Bauch. Als man dann aber immer häufiger mehr für andere Menschen als für den eigenen Partner empfand, stellten sich schon Bedenken ein. Ist das der Anfang vom Ende, oder gar schon das Ende?

Das kommt einerseits darauf an, unter welchen Vorzeichen die Partnerschaft geschlossen wurde, und in welcher Situation sie sich jetzt befindet, und hängt andererseits davon ab, wie lange diese Krise in Relation zur gesamten Beziehungsdauer schon anhält. Die Bedeutung des Beginns einer Partnerschaft ist nicht zu unterschätzen. Beide Partner finden sich hier bewusst oder unbewusst in einer Konstellation ein, die für deren aktuellen Lebensabschnitt passt.

Treffen sich z.B. zwei Studenten mit viel Freiheiten und ausgewogenem Machtverhältnissen ist das Beziehungsmuster ein ganz anderes als einige Jahre später, wenn entweder Beide im Job eingespannt sind oder nur Einer erfolgreich ist. In einem anderen Fall ist z.B. die Frau die Auszubildende oder seine Mitarbeiterin und er der Chef. Ändert sich dieses Gefüge deutlich, kann der Beziehung damit die Grundlage entzogen werden. Genauso häufig geschieht es, wenn ein Partner aus dem Beruf aussteigt, um sich den Kindern zu widmen. Jede deutliche und/oder einseitige Veränderung der Partnerschaft kann eine massive Krise auslösen. Vor Allem dann, wenn die Beziehung ursprünglich auf einem anderen Fundament aufbaute. Das Kräfteverhältnis in der Partnerschaft verträgt in den meisten Fällen nur wenig Veränderungen.

In der Paartherapie geht es darum den geschwächten Partner so weit zu stabilisieren, dass er mit dem Anderen überhaupt wieder in Kontakt tritt. Natürlich muss auch herausgearbeitet werden, ob und wie die Beziehung mit diesen veränderten Rollen bestehen kann.