Das beschädigte Vertrauen

16.09.2012

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

Am Anfang sind es nur leise Zweifel, die man um des eigenen Seelenfriedens willen schnell wieder verwirft. Später sind manche Ungereimtheiten so massiv, dass man den Partner darauf ansprechen muss. Dieser beruhigt einen zunächst mit mehr oder weniger logischen Erklärungen. Doch irgendwann forscht man entweder selbst nach, oder wird mit der Nase darauf gestoßen: der eigene Partner hat einen belogen! Dabei muss es sich nicht immer um einen Seitensprung handeln, es gibt unzählige Dinge, die einem der Partner lieber verheimlicht. Aber warum?

An dieser Stelle antworten Betroffene, dass sie den Partner vor Aufregung verschonen, die Harmonie erhalten, sich selbst und andere Beteiligte schützen wollten, oder einfach nicht den richtigen Zeitpunkt fanden um mit dem Partner darüber zu sprechen. Diese Gründe spielen für den Hintergangenen jedoch nur eine untergeordnete Rolle, denn das Ergebnis bleibt dasselbe. Das Vertrauen ist beschädigt und zudem muss man sich auch noch mit dem bisher Verborgenen auseinandersetzen. Auf wen kann man sich dann überhaupt noch verlassen, wenn nicht auf den eigenen Partner?

Die meisten Hilfesuchenden behaupten, sich bis zu diesem Bruch blind auf ihren Partner verlassen zu haben. Für sie kann, je nach der Schwere des Betrugs, eine Welt zusammenbrechen. Das ganze Ausmaß des Vertrauensverlustes wird erst deutlich, wenn der anfängliche Schock überwunden ist. Im ersten Moment klammert sich der Hintergangene noch wie im Reflex an seinen Partner, weil er dessen Halt benötigt. Im Laufe der Aufarbeitungszeit betrachtet er Diesen aber zunehmend kritischer und distanziert sich von ihm. Eine Trennung ist dann nicht mehr ausgeschlossen.

An dieser Stelle sollte unbedingt berücksichtigt werden, dass man unbewusst immer ganz genau spürt was im Partner so vorgeht und es deshalb hätte wissen müssen. Also trug die eigene Verdrängung dazu bei, dass es nicht offenkundig wurde. Man kann davon ausgehen, zehn mal mehr zu spüren als man weiß. Deshalb zählt auch nicht das Argument im betreffenden Zeitraum zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt gewesen zu sein.