Unterschiedliche Lebensrhythmen

10.07.2011

Ständige Anpassung oder dauernde Überforderung?

Wie war es doch am Anfang so interessant und faszinierend, vom Partner mitgerissen sich gemeinsam die Nächte um die Ohren zu schlagen, erst bei Sonnenaufgang schlafen zu gehen und tagein tagaus Bäume auszureißen.

Doch mittlerweile ist der Reiz verschwunden, Einer von Beiden würde abends liebend gerne schlafen gehen, der Andere denkt noch lange nicht daran, Einer ist nach 5 Stunden Schlaf schon wieder munter, der Andere hat noch gar nicht richtig in den Schlaf gefunden, Einer kann den Tag nicht genug mit Aktivitäten füllen, der Andere würde lieber so manches einfach auf sich zu kommen lassen.

Es stellt sich nun heraus, dass die Unterschiede zwischen den Partnern auf den genannten Gebieten so gravierend sind, dass sie langfristig zu erheblichen Problemen im Alltag führen. Am Anfang hatte die rosarote Brille der Verliebtheit die Erkenntnis noch verhindert, dass es hier einfach unleugbare Inkompatibilitäten gibt. Und es ist keine Frage des fehlenden guten Willens, sondern man kann einfach nicht dauerhaft völlig gegen den eigenen Lebensrhythmus leben.

Es gibt nun einmal einige Persönlichkeitsmerkmale, die sich nicht so leicht ändern lassen: ist Einer z.B. ein Nacht- oder Tag-Mensch, braucht er viel oder wenig Schlaf, ist Jemand mehr aktiv oder mehr passiv veranlagt. Fragt sich nur, wie zwei so unterschiedliche Menschen sich finden konnten. Ist es die Faszination des Andersartigen oder der geheime Wunsch selbst eigentlich anders sein zu wollen und dies durch und mit dem Anderen auszuleben?

Der Weg zum Paartherapeuten bietet sich hier an, da auch diese Merkmale ihren Ursprung in der Kindheit haben können. Der kann auch erst mal Hinweise geben, wie die beiden im täglichen Leben besser damit umgehen lernen, da ein völlig synchrones Miteinander leben trotz beiderseitigem Willens nicht erreichbar ist.

Wird der Spagat versucht und gelingt er, setzt er ein sehr hohes Maß an Reflexion, Respekt und Rücksicht auf den Anderen voraus. Gelingt er nicht, so führt an der Trennung kein Weg vorbei, da sonst ständige Überforderung und Burn-out drohen, was nicht zuletzt auch zu permanenten Aggressionen und auch zu gesundheitlichen Schäden führen kann.